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Die größten Kommunikationsfehler von Technikern (und wie du sie vermeidest)

Kennst du diese Situation? Du hast drei Wochen an einer sauberen Lösung für ein kniffliges Problem gearbeitet. Im Teammeeting bekommst du fünf Minuten, um sie vorzustellen. Du erklärst die Architektur, die Randfälle, die Gründe für deine Designentscheidungen. Nach zwei Minuten schauen die ersten auf ihr Handy. Deine Chefin fragt am Ende nur: „Und was heißt das jetzt für den Zeitplan?" Du fühlst dich unverstanden. Dabei war doch alles wichtig, was du gesagt hast.

Oder das hier: Ein Kollege aus dem Vertrieb wünscht sich eine Funktion, die technisch heikel ist. Du antwortest ausführlich per E-Mail, warum das so nicht geht. Zwei Tage später hörst du über Umwege, du seist „mal wieder der Blockierer". Dabei wolltest du nur ehrlich sein.

Wenn dir das bekannt vorkommt, bist du in guter Gesellschaft. Ich arbeite seit vielen Jahren als Coach mit Menschen aus der IT und war selbst lange in der Branche. Die Kommunikationsfehler, die ich dort sehe, sind fast immer dieselben. Die gute Nachricht: Sie sind alle lernbar zu vermeiden. Du musst dafür weder extrovertiert werden noch dich verbiegen.

Das eigentliche Problem: Fachlich stark, aber die Wirkung fehlt

Techniker kommunizieren oft so, wie sie denken: präzise, vollständig, sachlich. Das ist unter Fachleuten ein Vorteil. Sobald aber Menschen mit anderem Hintergrund im Raum sitzen, wird genau diese Stärke zur Falle. Was du als Gründlichkeit meinst, kommt als Detailflut an. Was du als Ehrlichkeit meinst, kommt als Ablehnung an. Und was du gar nicht sagst, weil es dir selbstverständlich erscheint, fehlt dem Gegenüber komplett.

Die Folge kennst du vermutlich: Deine Leistung wird nicht gesehen, deine Einwände werden als Widerstand gedeutet, und in Meetings setzen sich die durch, die lauter sind, aber nicht unbedingt die besseren Argumente haben.

Warum das passiert: Kommunikation entsteht beim Empfänger

Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick hat es auf den Punkt gebracht: Man kann nicht nicht kommunizieren. Und jede Nachricht hat neben dem Inhalt immer auch eine Beziehungsebene. Friedemann Schulz von Thun hat das mit seinem bekannten Vier-Seiten-Modell weiter ausdifferenziert: Jede Aussage enthält eine Sachinformation, eine Selbstoffenbarung, einen Beziehungshinweis und einen Appell.

Techniker senden fast ausschließlich auf der Sachebene. Gehört wird aber oft auf der Beziehungsebene. Dein „Das geht technisch nicht" ist für dich eine Sachaussage. Beim Vertriebskollegen kommt an: „Der nimmt mein Anliegen nicht ernst."

Dazu kommt ein zweiter Effekt, den die Autoren Chip und Dan Heath den „Fluch des Wissens" nennen: Wer sich tief in ein Thema eingearbeitet hat, kann sich kaum noch vorstellen, wie es ist, dieses Wissen nicht zu haben. Deshalb überschätzen Experten regelmäßig, wie viel bei anderen ankommt.

Die fünf größten Kommunikationsfehler und wie du sie vermeidest

Fehler 1: Du startest bei den Details statt bei der Kernbotschaft

Techniker erzählen gern chronologisch: erst das Problem, dann die Analyse, dann die Optionen, dann die Lösung. Das ist logisch, aber anstrengend für Zuhörer. Führungskräfte und Kollegen aus anderen Bereichen wollen zuerst wissen: Was bedeutet das für mich?

  • Beginne mit dem Ergebnis: „Wir schaffen den Termin, wenn wir Feature X verschieben." Danach kannst du begründen.
  • Nutze die Frage als Kompass: Was will mein Gegenüber entscheiden können, wenn ich fertig bin?
  • Details auf Nachfrage: Halte die Tiefe bereit, aber dränge sie nicht auf.

Fehler 2: Du kommunizierst nur auf der Sachebene

Ein „Nein, das geht so nicht" ist sachlich vielleicht korrekt, beschädigt aber schnell die Beziehung. Marshall Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation, empfiehlt, hinter jeder Position das Bedürfnis zu sehen. Der Vertriebskollege will keine bestimmte Funktion, er will einen zufriedenen Kunden.

  • Erst das Anliegen würdigen: „Ich verstehe, dass der Kunde das braucht."
  • Dann die Sachlage: „In der gewünschten Form ist das riskant, weil…"
  • Immer eine Alternative anbieten: „Was aber gut machbar wäre…" Ein Nein ohne Alternative wirkt wie eine Tür, die zugeschlagen wird.

Fehler 3: Du machst deine Arbeit unsichtbar

Viele Techniker halten Selbstdarstellung für unseriös. Verständlich, aber hier liegt ein Denkfehler: Über die eigene Arbeit zu informieren ist keine Angeberei, sondern ein Service. Deine Chefin kann nur berücksichtigen, was sie weiß. Wenn du drei Wochen still ein Problem löst, das nie eskaliert ist, sieht von außen niemand, dass da überhaupt ein Problem war.

  • Berichte über Wirkung, nicht über Aufwand: „Durch die Umstellung fallen die nächtlichen Ausfälle weg" statt „Ich habe das Deployment refactored".
  • Nutze bestehende Formate: Ein kurzer Absatz im Statusbericht oder zwei Sätze im Daily reichen oft schon.
  • Mach es regelmäßig: Sichtbarkeit entsteht nicht durch einen großen Auftritt, sondern durch viele kleine, verlässliche Signale.

Fehler 4: Du trägst Konflikte schriftlich aus

E-Mail und Chat sind großartig für Fakten und furchtbar für Spannungen. Im Text fehlen Tonfall, Mimik und die Möglichkeit, sofort nachzufragen. Ein neutral gemeinter Satz liest sich schnell schnippisch, und aus einem Missverständnis wird ein Schriftwechsel über fünf Runden.

  • Faustregel: Sobald du beim Schreiben Ärger spürst oder die dritte Antwortrunde beginnt, greif zum Telefon oder geh vorbei.
  • Fasse danach schriftlich zusammen: So sicherst du das Ergebnis, ohne den Konflikt im Text auszutragen.

Fehler 5: Du schweigst im Meeting und ärgerst dich danach

Als eher ruhiger Mensch wartest du vielleicht, bis du eine perfekt durchdachte Antwort hast. Bis dahin ist die Diskussion drei Themen weiter. Das Problem ist nicht deine Zurückhaltung, sondern der Anspruch, nur Fertiges zu sagen.

  • Kündige deinen Beitrag an: „Dazu möchte ich gleich etwas ergänzen." Das verschafft dir einen Platz in der Runde.
  • Stelle Fragen: Eine gute Frage ist ein vollwertiger Beitrag und liegt introvertierten Menschen oft mehr als Statements.
  • Bereite einen Punkt vor: Nimm dir vor jedem Meeting genau eine Sache vor, die du einbringen willst. Das ist realistisch und wirkt.

Ein Beispiel aus der Praxis

Ein Entwickler, mit dem ich gearbeitet habe, stand vor genau dieser Situation: Ein Feature-Wunsch aus dem Produktmanagement war aus seiner Sicht riskant. Früher hätte er eine lange, technisch korrekte Ablehnungsmail geschrieben. Stattdessen bat er um 15 Minuten Gespräch. Er begann mit einem Satz zum Anliegen: „Ich verstehe, dass die Kunden das oft anfragen." Dann seine Kernbotschaft: „In der aktuellen Form würde uns das die Stabilität kosten. Ich habe aber eine Variante, die 80 Prozent des Nutzens bringt." Die Diskussion dauerte zehn Minuten, die Alternative wurde umgesetzt. Und ganz nebenbei galt er im Produktteam ab da nicht mehr als Bremser, sondern als jemand, der Lösungen findet. An seiner fachlichen Position hatte sich nichts geändert. Nur an der Art, sie zu kommunizieren.

Fazit: Kommunikation ist ein Handwerk, kein Talent

Keiner dieser fünf Punkte verlangt, dass du ein anderer Mensch wirst. Du bleibst analytisch, gründlich und ehrlich. Du änderst nur die Reihenfolge, die Verpackung und ab und zu den Kanal. Das ist erlernbar wie jede Technik, und wie bei jeder Technik gilt: Übung schlägt Theorie.

Meine Einladung an dich: Such dir aus den fünf Fehlern genau den einen aus, der dich am meisten Karriere, Nerven oder Beziehungen kostet. Und nimm dir für die nächsten zwei Wochen eine einzige konkrete Veränderung vor. Welcher wäre das bei dir?

Weiterführende Literatur

  • Friedemann Schulz von Thun: Miteinander reden 1 – Störungen und Klärungen. Der Klassiker zum Vier-Seiten-Modell der Kommunikation.
  • Paul Watzlawick, Janet H. Beavin, Don D. Jackson: Menschliche Kommunikation. Formen, Störungen, Paradoxien. Grundlagenwerk zur Sach- und Beziehungsebene.
  • Marshall B. Rosenberg: Gewaltfreie Kommunikation. Eine Sprache des Lebens. Hilfreich, um hinter Positionen die Bedürfnisse zu erkennen.
  • Chip Heath, Dan Heath: Made to Stick (deutsch: Was bleibt). Sehr gut lesbar zum „Fluch des Wissens" und zu klaren Kernbotschaften.

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